DAS ERSTE PLEINAIR 1988

Neben ihrem Leben auf der Baustelle begründete Bettina Zimmermann mit Dresdner Kolleginnen und Kollegen das erste »Plein air in Batzdorf« 1988. Das Umfeld war urwüchsig, wie alles am Ort zu dieser Zeit. Das Ambiente beflügelte die Kreativität. Freie, großzügige Arbeiten entstanden.
In den darauffolgenden Jahren brachten Baueinsätze am Objekt und ihre freiberufliche Tätigkeit sie zahlreiche Jahre in zeitliche Bedrängnis und das »Plein air in Batzdorf« zum Stillstand. Seit den 1990er Jahren, strömten unzählige Herausforderungen auf ihr künstlerisches Wirken ein. Der Faktor Zeit fühlte sich komplett anders an. Sie musste sich mit ihrer Familie mehr Gedanken ums alltägliche Überleben machen. Kommen die Alt-Eigentümer zurück und beenden die Vision? Die Auseinandersetzung mit dem Wechsel von einem überkommenen System in ein übernommenes System verlangte eine neue Form des Anpassens.
Seit 1989 lebt Stefan Maass auf Schloss Batzdorf, hat seitdem den Aufbau des vom Verfall bedrohten historischen Gebäudekomplexes mitge
staltet. Er ist gemeinsam mit seinem Kollegen Stephan Rath der Begründer und Initiator der Batzdorfer Hofkapelle, das des inzwischen sehr beliebten Orchesters, welches u.a. jährlich zu den Batzdorfer Barockfestspielen am Ort zu erleben ist. Im Wandel der neunziger Jahre lagen aber auch neue Möglichkeiten und Chancen. Die Gründung eines Vereins, der Erwerb des Schlosses und des umliegenden Landes durch den Verein und der damit verbundene Ausbau des Schlosses Schritt für Schritt sichtbar voran. Bettina Zimmermann entwickelte, neben anderen zu lösenden Problemen, eine Nutzungskonzeption für den Fortbestand des Traumes.
Mit ihrem Künstlerfreund, dem Maler PPit Müller, wurde diese Form der gemeinsamen Kreativität wieder aufgenommen. Seit 2016 treffen sich eine kleine Kollegengruppe am malerischen Ort der dicken Mauern, wie auch im landschaftlich sehr reizvollen Umfeld, um die Eindrücke auf Papier und Leinwand zu bannen. An diesem magischen Ort, dem Schloss Batzdorf, treffen sich nun jeden Sommer Künstlerinnen und Künstler. Sie lassen ihre Ideen wachsen und nehmen die inspirierende Kraft auf, die aus der Gemeinschaft und aus der Atmosphäre dieses Ortes hervorgeht. Das »Pleinair« findet jährlich im Juni statt. Es dauert sieben Tage und die Ergebnisse werden im Rahmen der Batzdorfer Barockfestspiele, in einer Ausstellung der Öffentlichkeit jährlich präsentiert. Hier können die Gäste mit den Künstler*innen direkt ins Gespräch kommen. Während des »Plein airs« sind es Tage der gedanklichen und handelnden, sprich künstlerischen Genese, die wie ein Spiegelbild der unterschiedlichen Charaktere, künstlerischen Techniken und Auffassungen variabel ablaufen. Auch der Ort selbst wird zu einem wesentlichen und inspirierenden Indikator für den Schaffensprozess. Arbeitsräume, die sich zum Innenhof, dem geselligen Zentrum, öffnen. Räume, die Durchblicke in das wuchernde Grün der Umgebung gestatten, verwinkelte Treppen, die zum Teil zu großzügig angelegten Räumen führen und mit Blumen verzierte Arkaden und Terrassen, die wichtige Freiräume eröffnen, bilden den Rahmen für beeindruckende künstlerische Prozesse.
Rückblick von Petra Kießling: ES WAR EINMAL EIN LAND
Es war einmal ein Land. Es war die kleine Schwester eines großen Landes.
Zusammen waren sie durch die Geschichte verbunden, getrennt und schließlich wieder vereint. Die kleine Schwester war, wie sich leicht erahnen lässt, die DDR. DDR ist heute nur noch die Bezeichnung eines Arbeitsspeichers. Die Deutsche Demokratische Republik, sie wurde von ihren Protagonisten »Diktatur des Proletariats« genannt. Noch heute hören die Menschen, die bereits in der Zeit ihrer Existenz lebten, die schrille Stimme des großen Vorsitzenden Honecker, diese Worte ins Mikrofon sagen: »Es lebe die Deutsche Demokratische Republik, sie lebe hoch, hoch, hoch!«. Zahlreiche Geschichten sind heute vielen Deutschen bekannt und klingenvertraut. Vieles blieb und bleibt doch unter der Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit der Zeit im Verborgenen.
Deshalb ist es wichtig, einige Schätze aus der Geschichte der DDR zu hebenbzw. Einen kleinen Einblick zu geben. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es zahlreiche Künstlerinnen und Künstler in der DDR. Auf den Gebieten der Musik, der Literatur, der darstellenden und in der bildenden Kunst. Die Lehrkräfte und Absolvent*innen von Kunst-Hochschulen in Berlin, Dresden, Halle, Leipzig und Rostock waren über die Grenzen des kleinen Landes bekannt geworden. Die Protagonisten der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig waren in der Aufmerksamkeit und Wahrnehmung im Schwesterland besonders gefragt.
Die Werke von großen Künstlerpersönlichkeiten wie Werner Tübke, Bernhard Heißig und Wolfgang Mattheuer wurden u.a. von einem Kunstmäzen, der sein Geld mit der süßen Versuchung, der Schokolade machte, besonders gern gekauft.
Heute, im Jahr 2020, 30 Jahre nach dem Ende der DDR, macht es den Anschein, dass man alles nicht mehr so spektakulär findet. Tja, der Zeitgeist, was soll man sagen, die Geschichte ist rückblickend oft eine andere als die Wahrnehmung im Hier und Jetzt. Der Fokus soll allerdings hier auf etwas anderes, auf eine eigenständige Form von Freiheit vs. Freiraum gelenkt werden. In den 1980er Jahren gab es sei, die Diomann mit Faible für schräge Instrumente aus Wittstock. In den 1990er Jahren kamen Autoren, wie Holger Witzel, der neben seinen Reportagen und Kurzgeschichten unter dem Pseudonym Hans Waal 2008 den Roman „Die NACHHUT“ veröffentlichte. Oder einer der Ersten auf der Burg, Guido Heller mit einer Keramikwerkstatt. Ein weiteres Beispiel ist die Schaddel-Mühle bei Großbothen, eine Wassermühle in Fachwerkbauweise. Das ehemalige Wohn- und Atelierhaus des Künstlers und Keramikers Horst Skorupa (1941-2004) übernahm 1974 das »Kollegium Bildender Künstler Schaddelmühle«, restaurierte das baufällige Anwesen und baute es nach und nach für ihre eigenen kreativen Zwecke aus. Viele Künstlerinnen und Künstler nutzten die Schaddelmühle zum Arbeiten und Lernen, für Ausstellungen und zahlreiche Feste, die in der Künstlerszene der DDR beliebt waren. Horst Dittmann, Maria Köhler und viele andere lernten von Horst Skorupa und blieben für längere Zeit an diesem Ort. Heute ist es ein Projekt und ein Verein, dessen künstlerischer Leiter Frank Brinkmann ist.
Von Hans Scheib vom Künstlerhaus Plüschow in Nordwestmecklenburg kam 2016 die Idee zu »Ansage-Absage«. Es war der programmatische Titel einer Ausstellung, die Positionen der DDR-Künstlerszene in den 1980er Jahren beleuchtete. »Sie war gekennzeichnet durch die Absage an die offiziellen Vorgaben für Kunst und die Suche nach eigenen Formen. Kunst wurde zum Mittel, um Identität zu stiften«, sagt der Plüschower Künstler Udo Rathke, der die Ausstellung kuratierte. Er muss es wissen, hat er doch als Kunststudent selbst die Ostberliner Szene erlebt und in den 1980er Jahren zusammen mit seiner Frau, der Künstlerin Miro Zahra, das damals verfallene Schloss in Plüschow zu einem Künstlerhaus ausgebaut. Es gab noch weitere Orte, doch das soll an dieser Stelle genügen.
Einführende Worte von Petra Kießling
Das Künstlerinnen-Pleinair, wurde durch die Künstlerin Bettina Zimmermann 1988 auf Schloss Batzdorf ins Leben gerufen. Einer der ersten Mitstreiter und selbst Bildender Künstler war Pit Müller. … Er beschrieb: »Es war eine große Faszination und auch Inspiration an dem Ort. Ich habe es aber auch bewundert, dass Bettina allein in den riesigen Hallen hier lebt und zurechtkommt. Ob Hang oder Innenräume, es war so irre mit dem großen Freiraum zu arbeiten. Es forderte regelrecht heraus, auch große Objekte zu bauen oder anzugehen … So entstand der Wunsch für gemeinsame Arbeitstage. Ein Pleinair mit meinen befreundeten Kollegen, wie Tommi Lange, Christoph Hein und Stockel. Iduna Böhnig hatte für uns Modell gestanden. Katrin Pfeiffer, eine Freundin von Bettina, kam ebenfalls aus Berlin, und hat für uns Akkordeon gespielt, auf dem Hang und im Rittersaal. Wir ließen uns inspirieren und malten dazu.«
Der VBK (Verband Bildender Künstler) ermöglichte auf dem vier Kilometer, also nahe gelegenen Schloss Scharfenberg eine Ausstellung der entstandenen Werke. Heute beherbergt es ein Hotel.







